Das Ende der politischen Mitte?

01.10.2026

Die politische Landschaft befindet sich in vielen europäischen Ländern im Wandel. Zuletzt haben die Landtagswahlen in Deutschland gezeigt, wie deutlich Parteien außerhalb der traditionellen politischen Mitte zulegen können. Auch in Österreich verzeichnen die einstigen Volksparteien ÖVP und SPÖ seit Jahren sinkende Zustimmungswerte, während die KPÖ und vor allem die FPÖ Wähler:innen gewinnen konnten. Ob die Österreicher:innen eine ähnliche Entwicklung wie bei unseren Nachbarn erwarten, wie sie die Zukunft der politischen Mitte einschätzen und welche Gründe sie dahinter sehen, analysiert unsere aktuelle MARKET News.

 

Mehr als 80 Prozent erwarten ähnliche Entwicklung wie in Deutschland

83 Prozent gehen davon aus, dass es bei den nächsten Landtagswahlen auch in Österreich zu einer ähnlichen Entwicklung wie zuletzt in Deutschland und damit einem (weiteren) Abrücken von der politischen Mitte kommen wird, 37 Prozent sogar „auf jeden Fall“.
Diese Einschätzung zieht sich im Detail durch alle Bevölkerungsgruppen, am ausgeprägtesten bei den 50- bis 69-Jährigen (91 Prozent). Unterschiede zeigen sich vor allem in der Intensität: Unter den FPÖ-Präferent:innen sind sich 74 Prozent bezüglich der Veränderungen „auf jeden Fall“ sicher – und damit deutlich überzeugter als in den übrigen Wählersegmenten von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen.

Die politische Mitte unter Druck?

Zwei Drittel erwarten in Folge, dass die politische Mitte in Österreich weiter geschwächt wird. Nur 15 Prozent rechnen hier mit einer Stabilisierung, 10 Prozent gar mit einer Erholung der bisher etablierten Parteien.

Die Erwartung einer weiteren Schwächung steigt im Detail mit dem Alter – konket von 55 Prozent bei den 16- bis 29-Jährigen auf 74 Prozent bei den 50- bis 69-Jährigen. Männer wiederum teilen sie häufiger als Frauen. Auch hier gibt es wieder einen deutlichen Überhang bei den FPÖ-Präferent:innen, aber auch in den anderen Kreisen liegt die erwartete Schwächung der Traditionsparteien bei jeweils mindestens 50 Prozent.

Unzufriedenheit, Teuerung und Migration als zentrale Gründe

Als wichtigsten Grund für das Erstarken von Parteien abseits der Mitte nennt die Bevölkerung die Unzufriedenheit mit den regierenden Parteien (67 Prozent). Knapp dahinter folgen konkrete Sachthemen: Jeweils 63 Prozent verweisen auf die Teuerung und den damit verbundenen Anstieg der Lebenshaltungskosten sowie auf fehlende Lösungen für Migration und Integration.

Ebenfalls hoch in der Argumentationskette lagert der Stellenwert des politischen Vertrauens. 61 Prozent sehen dabei einen allgemeinen Vertrauensverlust in die Politik, 56 Prozent haben zudem das Gefühl, nicht ausreichend vertreten zu werden. Der Wunsch nach einem grundsätzlichen Wechsel (30 Prozent) oder radikaleren Positionen (23 Prozent) wird hingegen als Auslöser der Umbrüche klar seltener genannt.

Ältere führen dabei in Folge deutlich mehr Gründe ins Treffen als Jüngere: Fehlende Lösungen für Migration und Integration nennen bspw. 80 Prozent der 50- bis 69-Jährigen, aber nur 37 Prozent der 16- bis 29-Jährigen. FPÖ-Präferent:innen wiederum betonen über-durchschnittlich stark die erwähnten Aspekte der allgemeinen Unzufriedenheit und der Teuerung sowie das Migrationsthema (jeweils 83 Prozent), während die Präferent:innen der übrigen Parteien häufiger auf den Einfluss sozialer Medien sowie eine voran schreitende gesellschaftliche Polarisierung verweisen.

Einbindung oder Abgrenzung: Geteiltes Meinungsbild zum richtigen Umgang

Beim Umgang mit Rechtsparteien halten 46 Prozent die Einbindung in eine Regierung (wie bisher teilweise in Österreich), für den besseren Weg. 14 Prozent bevorzugen eine Ausgrenzung nach deutschem Vorbild, 35 Prozent machen dies allerdings von Partei und Situation abhängig.

Jüngere sprechen sich dabei mit 27 Prozent auffallend häufiger für eine Ausgrenzung aus. Während 87 Prozent der FPÖ-Präferent:innen erwartungsgemäß eine Einbindung befürworten, ist unter den Präferent:innen von SPÖ, NEOS und Grünen die situationsabhängige Entscheidung die häufigste Antwort.

 

Fazit: die Bevölkerung rechnet mit einem zunehmenden Wandel der Parteienlandschaft

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die österreichische Bevölkerung durchaus intensiv mit Veränderungen der politischen Landschaft auseinandersetzt. Während ein Teil – insbesondere unter den Präferent:innen von ÖVP und SPÖ – sich weiterhin nach Stabilität sehnt, überwiegen deutlich jene Stimmen, die einen Wandel der Parteienlandschaft für wahrscheinlich halten. Wie sich diese Entwicklungen tatsächlich bei den kommenden Wahlen niederschlagen, bleibt freilich abzuwarten.

Dokumentation der Umfrage:

✓ Zielgruppe: repräsentative österreichische Bevölkerung ab 16 Jahre
✓ Basis: n=1.000 Online-Interviews im MARKET-Panel
✓ Max. stat. Schwankungsbreite: +/- 3,16 Prozent
✓ Befragungszeitraum: 21.-24. September 2026

 

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