Wie retten wir uns vor dem Plastikmüll?

Österreicher befürworten Verbote, zeigen selbst aber noch große Potenziale


Das Thema Plastikmüll ist – nach dem letztjährigen EU-Verbot für Wegwerf-Artikel aus Plastik sowie dem für Österreich beschlossenen Verbot des Wegwerf-Plastiksackerls – nach wie vor in aller Munde und aktueller denn je. Als weitere Konsequenz, beginnen die ersten Supermärkte, Plastikverpackungen und -abfallprodukte zu reduzieren und so ihren (kleinen) Beitrag zu leisten. In unserer Studienreihe „IM FOKUS“ beleuchten wir dieses brisante Thema und fragen nach, wie es bei Herrn und Frau Österreicher im Detail mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Plastikmüll und -verpackungen aussieht. Ist eine Besserung im Kampf gegen den Plastikmüll in Sicht?


Hohe Brisanz für Diskussionen rund um das Thema Plastikmüll

 

Wie bereits angedeutet, zeigen die Österreicherinnen und Österreicher zunächst eine hohe Aufmerksamkeit für die aktuellen Diskussionen rund um die Vermeidung von Plastikmüll. Drei von vier Landsleuten stufen die medialen Berichte und Diskussionen dazu als sehr wichtig ein und fordern in diesem Zusammenhang dringend Lösungen. Die bewusst provokante These, dass die beschlossenen, zukünftigen Verbote rund um das Thema Plastikartikel übertrieben und bis zu einem gewissen Grad nur Panikmache wären, stützen hingegen nur gut 15 Prozent. Gleichzeitig spricht das Gros an dieser Stelle dem Thema Plastikmüll einen zentralen Stellenwert im Hinblick auf den allgemeinen Umwelt- und Klimaschutz zu. Nur 7 Prozent – vermehrt die Jüngeren bis 29 Jahre – sehen wichtigere Themen abseits des Plastikmülls.

 

 

Klare Unterstützung für Verbote in Österreich, Pfandsystem für Plastikflaschen ist ein Thema

 

In der Folge erreichen auch die eingangs bereits zitierten Verbote seitens EU bzw. Österreich im Hinblick auf Plastikverpackungen hohe Zustimmung in der Bevölkerung. Jeweils über 80 Prozent beurteilen diese als gut bzw. sehr gut, der Grad der vollends Überzeugten liegt immerhin bei je knapp 60 Prozent. Auch die Idee der verpackungsfreien Supermärkte und Läden stößt generell auf eine ähnlich positive Resonanz, drei Viertel würden an dieser Stelle auch die Wiedereinführung des Pfandsystems für Plastikflaschen befürworten. Interessant auch der ebenso hohe Anteil von knapp 80 Prozent, die angeben, dass Österreich beim Kampf gegen Plastikmüll eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen sollte. Eine geringere Zustimmung findet einzig die These, dass positive Anreize möglicherweise sinnvoller wären als Verbote. Auch bezweifelt in etwa jeder Zweite, dass es im Handel bereits heute ausreichend Alternativen für umweltfreundliche Verpackungen gäbe.

 

 

Bevölkerung wird im Umgang mit Plastikmüll umdenken müssen

 

Während somit die Aufmerksamkeit und die Stimmung zum Thema eine sehr positive ist, zeigt der Blick auf den Status Quo in den heimischen Haushalten noch größere Handlungsfelder auf. Zwar geben 4 von 5 an, schon heute von zuhause Stoffsackerl oder Körbe für den Einkauf mitzunehmen bzw. Plastikmüll und -verpackungen vom Restmüll zu trennen. Für den Rest der Befragten sind diese Punkte in jedem Fall vorstellbar. Immerhin die Hälfte verzichtet zudem auf Einwegplastik-Produkte wie Strohhalm oder Plastikbesteck und achtet auf Produkte, die möglichst wenig Verpackungsmüll verursachen. Andere Verhaltensweisen, wie bspw. Obst und Gemüse ausschließlich unverpackt oder Säfte nur in Glasflaschen zu kaufen, zeigen heute erst zwischen 30 bis 40 Prozent der Befragten. Sie offenbaren damit weitere Potenziale zur Vermeidung von Verpackungsmüll. Denn vorstellbar ist dabei dieses Verhalten für immerhin rund die Hälfte, bereits bei den Getränken lehnt jeder Fünfte jedoch dezidiert eine Alternativverpackung zu Plastikflaschen ab. Besonders kritisch gibt man sich schließlich, wenn es ums Geld geht. 4 von 10 könnten sich nicht vorstellen, mehr für Produkte zu bezahlen, die in plastikfreien Verpackungen verkauft werden und stellen damit Handel und Produzenten vor eine schwierige Aufgabe. Einmal mehr bestätigt sich offenkundig die These: „Umweltschutz JA – sofern ich meine eigene Komfortzone nicht verlassen muss und es nichts kostet“.

 

 

Blick in die Zukunft des Plastikproblems ist optimistisch!

 

Durchwegs optimistisch gibt man sich dennoch letztlich beim Blick auf unsere Zukunft. 9 von 10 Befragten gehen davon aus, dass es Österreich gelingen wird, den Verpackungsmüll durch Plastik in den nächsten 5-10 Jahren deutlich reduzieren zu können, ohne hier genaue Zielvorgaben zu machen. Immerhin gut 40 Prozent zeigen sich von einer positiven Trendwende vollends überzeugt, interessant hier vor allem die demographischen Details. Denn den größten Zukunftsoptimismus präsentieren vor allem Personen im mittleren Alterssegment bzw. mit Kindern im Haushalt, die – ganz im Greta Thunberg-Style – für ihre Nachkommen auf klare Verbesserungen in unserer Umweltpolitik hoffen (wollen).

 


Dokumentation der Umfrage MA855:

n=400 Online-Interviews unter der österreichischen Bevölkerung ab 16 Jahren, Erhebungszeitraum: 5. bis 6. August 2019 maximale statistische Schwankungsbreite bei n=400 +/- 5,00 Prozent

 




Bei Interesse an unserer Studie oder bei diversen Fragen stehen wir gerne und jederzeit zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Ihre Ansprechperson

Mag. Stefan Anzinger
Senior-Researcher