Russland als WM-Gastgeber: Chance oder Fehl-entscheidung?

Wie die Österreicher über den Austragungsort der Fußball-WM 2018 denken

 

In diesen Tagen blickt die (Sport-)Welt gebannt auf Russland, wo derzeit 32 Teilnehmer um den FIFA WM-Pokal 2018 und damit um die Nachfolge des amtierenden Weltmeisters Deutschland kämpfen. Selten zuvor wurde jedoch ein WM-Austragungsort im Vorfeld derart kontrovers diskutiert und medial an den Pranger gestellt. market ging daher der Frage nach, ob die allgemeine WM-Stimmung unter den Negativberichten abseits des Sports leidet, Russland der richtige Gastgeber ist bzw. ob mit politisch motivierten Zwischenfällen während der WM zu rechnen ist.

 

An dieser Stelle fällt zunächst ein generell zurückhaltendes Interesse an der WM in Russland auf. Zwar bekundet rund die Hälfte der heimischen Bevölkerung eine entsprechende Aufmerksamkeit für das sportliche Großevent, allerdings sinkt der Anteil der Begeisterten im direkten Vergleich mit den letzten Europameisterschaften deutlich ab. Grund dafür ist zum einen sicher die Abwesenheit der österreichischen Nationalmannschaft, zum anderen macht sich hier aber auch eine gewisse Distanz zum Bewerb an sich breit. Soll heißen, europäischer Spitzenfußball in einem kleineren Teilnehmerfeld bindet sicher stärker als ein etwas durchwachsenes, unübersichtliches Starterumfeld, bei dem WM Neulinge wie Panama oder lange Abwesende wie Peru und Marokko abendfüllende Partien austragen. Dies macht natürlich die Ausgangssituation Russlands für ein stimmungsvolles Event nicht besser.

 

 

 

Russland als Gastgeber der Fußball WM: Kritik Ja, Empörung Nein!

 

Russland geriet im Vorfeld der WM durch einen bekanntermaßen unwürdigen Umgang mit Menschenrechten, der oftmals kritisierten Haltung des Präsidenten Wladimir Putin gegenüber dem Westen als auch durch immer wiederkehrende Doping-Fälle ins mediale Rampenlicht und damit ins Kreuzfeuer. Als Austragungsort wird das Land daher auch von den Österreichern sicher kritisch gesehen, die große Empörung bleibt allerdings – etwas überraschend – aus.

 

So unterstützt in etwa knapp die Hälfte der Befragten die Entscheidung der FIFA, die WM in Russland durchzuführen und argumentiert dabei im Sinne einer Gewaltentrennung von Sport und Politik. Umgekehrt haben aber auch gut 40 Prozent Bedenken, rund jeder Siebte (15 Prozent) schätzt die Vergabe und Durchführung der WM auf westrussischem Boden als schlichtweg falsch ein. Auffallend dabei – hinsichtlich der Russland-Diskussion zeigen sich kaum Unterschiede in Abhängigkeit zum generellen WM-Interesse.

 

 

 

Positive Grundstimmung im Hinblick auf eine reibungslose WM überwiegt

 

In der Folge präsentieren sich auch rund 60 Prozent mit einer guten Grundstimmung gegenüber dem Gastgeber und rechnen damit, dass die WM großteils reibungsfrei ablaufen wird – hier vorrangig jene, die sich mit dem Event auch stärker auseinander setzen. Nur jeder Fünfte befürchtet hingegen Skandale und Zwischenfälle politischer Natur während der WM, die den Sport in den Hintergrund rücken lassen. Ähnlich viele tun sich generell schwer, hier eine Einschätzung abzugeben.

 

 

 

Zusammengefasst siegt die Erkenntnis, dass sicher ein gewisser Teil der Bevölkerung die öffentliche Zurückhaltung gegenüber Russland als WM-Host teilt, dennoch aber auch unerwartet viele dem Land als Gastgeber eine Chance geben und in erster Linie an Fußball und nicht an politische Debatten denken.

 

Keine Trauer um Österreichs verpasste WM-Chance!

 

 

 

Einig ist man sich hingegen über die Rolle der abwesenden Kicker aus Österreich. Für nur jeden Zehnten hätten wir eine Teilnahme auf jeden Fall verdient, mehr als die Hälfte beurteilt unser Scheitern in der WM-Qualifikation als gerecht und findet es schließlich in Ordnung, dass wir dieses Mal nicht mitspielen.

 

Übrigens, geht es nach den Österreichern, wird der nächste Weltmeister Brasilien heißen. Jeder Zweite (49 Prozent), der sich einen Tipp zutraut (Auswertungsbasis 79 Prozent), setzt auf die Seleção als großen Titelgewinner, gefolgt von Deutschland (16 Prozent), Spanien (8 Prozent) und Frankreich (7 Prozent).

 

 


Dokumentation der Umfrage B1633:

n=522 Online Interviews unter der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren

Erhebungszeitraum: 13. bis 14. Juni 2018, maximale statistische Schwankungsbreite bei n=522 +/- 4,38 Prozent

 

 




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Ihre Ansprechperson

Mag. Stefan Anzinger
Senior-Researcher