Hoher Stellenwert für Online-Bewertungen trotz Skepsis bei Glaubwürdigkeit

Wer kennt sie nicht? Kurzbewertungen, Rezensionen oder Produktbesprechungen im Internet bei denen man – mehr oder weniger offen und ehrlich – seine Meinung zu allem und jedem kundtut. Nicht selten beeinflussen Online-Bewertungen auf den unterschiedlichsten Portalen unser Entscheidungs- und Kaufverhalten und sind daher ein wesentlicher Faktor für jedes Marketing. Wie es Herr und Frau Österreicher damit geht, was man glaubt und was nicht bzw. welche Zukunft es für Online-Bewertungen gibt, ging market im Rahmen einer – nomen est omen – Online-Studie nach.

 

Zunächst zeigt sich eine hohe Relevanz von Bewertungen und Rezensionen im Internet für den Alltag der Österreicher. Nahezu drei Viertel lesen zumindest ab & zu vor einem Produkt-Kauf, einer Buchung oder Ähnlichem Online-Bewertungen, knapp jeder Fünfte macht dies lt. eigenen Aussagen so gut wie immer. Dabei ist es vor allem die Gruppe der bis 49-Jährigen die hier besondere Affinität zeigt. Bei den über 50-Jährigen greift hingegen ein gutes Drittel selten bis gar nie auf Online-Bewertungen zurück. Ebenso hoch fällt mit über 50 Prozent auch der Anteil jener aus, die selbst Bewertungen im Internet abgeben, wobei dies für den Großteil wiederum „ab & zu“ zutrifft. Die Gruppe der „Profi-Bewerter“ ist dabei mit 5 Prozent eher gering.

 


Hoher Einflussfaktor trotz bedingter Glaubwürdigkeit

 

Geht es in weiterer Folge um die subjektiv eingeschätzte, persönliche Beeinflussbarkeit dieser Online-Bewertungen bestätigt sich ihr hoher Stellenwert. Von jenen, die auf digitale Rezensionen zurückgreifen, geben wiederum drei Viertel an, sich wenigstens teilweise von ihnen bei Kauf-Entscheidungen beeinflussen zu lassen. Ein gutes Drittel – wiederum vorrangig die Jüngeren – sieht hier eine klare Tendenz zur Beeinflussung, wenngleich eine endgültige Überzeugung in dieser Frage („auf jeden Fall“) meist ausbleibt.

 

Ähnlich vorsichtig gibt man sich dann auch bei der „Gretchenfrage“ nach der Glaubwürdigkeit von Online-Bewertungen. Während sich die extremeren Gruppen der klaren Befürworter („sehr/eher glaubwürdig“) bzw. Gegner („weniger/gar nicht glaubwürdig“) mit je rund 20 Prozent in etwa die Waage halten, verweisen knapp 6 von 10 auf den jeweiligen Anbieter bzw. die Branche, die letzten Endes zur tatsächlichen Glaubwürdigkeit beitragen. Insofern knüpft man den vermuteten Wahrheitsfaktor der Aussagen vorrangig an die Plattform, auf der diese zu finden sind.

 

Ärzte, Krankenhäuser bzw. Thalia Top, facebook und Immobilien-Bewertungen Flop

 

Der Blick aufs Detail wird damit besonders spannend. In der Folge wurden die unterschiedlichsten Anbieter und Bereiche quer durch die Bank unter die Lupe genommen und die jeweilige Glaubwürdigkeit von den Kennern bewertet. Auch auf dieser Ebene traut sich zunächst kaum jemand von einer sehr hohen Glaubwürdigkeit der jeweiligen Online-Rezensionen zu sprechen und bestätigt damit eine gewisse Skepsis, die sich auch in den einzelnen Bewertungen durchzieht. In Kumulation mit der Note 2 kristallisieren sich dann aber deutlichere Unterschiede zwischen den Anbietern heraus.

 

So urteilt man bspw. überwiegend positiv was den Vertrauensfaktor von Online-Bewertungen für Ärzte und Krankenhäuser betrifft, auf ein identes Niveau kommt – als bester Vertreter des Handels – Thalia. Auch Rückmeldungen zu Restaurants, Gasthäusern oder auch Unterhaltungsangeboten bringt man eine erhöhte Glaubwürdigkeit entgegen. Hotels bzw. Reiseportale wie booking.com liegen in etwa am Schnitt. Lieber die Finger lassen sollte man hingegen von Produktkommentaren bei facebook, hier zweifelt bereits jeder Vierte explizit an deren Glaubwürdigkeit. Ähnlich distanziert gibt man sich auch gegenüber Immobilien-Bewertungen im Netz.

 

3 Die Zukunft: das Aus für anonyme Online-Bewertungen?

 

Schließlich sehen die Österreicherinnen und Österreicher eine gewisse Notwendigkeit von Regeln bei Online-Bewertungen. So unterstreichen bspw. knapp drei Viertel die These, dass man in solchen Bewertungen nur das schreiben sollte, was man den Betroffenen auch ins Gesicht sagen würde. Zudem verurteilt der Großteil klar einen gewissen „Trend“, dass Manche bereits Gegenleistungen eines Unternehmens für eine positive Online-Bewertung fordern. Besonders auffällig ist an dieser Stelle auch die Zustimmung zu möglichen Überlegungen, dass Online-Bewertungen in Zukunft nicht mehr anonym stattfinden sollten, sondern nur noch unter dem eigenen Namen möglich sind. Mehr als die Hälfte, dabei ein Drittel unbedingt, spricht sich für diese Option aus.

 


 

Dokumentation der Umfrage E186:

n=1.000 Online-Interviews unter der österreichischen Bevölkerung ab 16 Jahren, Erhebungszeitraum: März 2019 maximale statistische Schwankungsbreite bei n=1.000 +/- 3,18 Prozent




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Ihre Ansprechperson

Mag. Stefan Anzinger
Senior-Researcher