Gendershift: Die Frau in der Jagd

Es ist einer der sogenannten Megatrends, dass sich auch die Rollen der Geschlechter in unserer Gesellschaft verändern. Der bekannte deutsche Zukunftsforscher Mathias Horx nennt dieses Phänomen den „Gender Shift“. Unzweifelhaft sind Frauen in unserer modernen urbanen Gesellschaft auf Vormarsch und dringen immer tiefer in typische Männerwelten vor. Betroffen sind beispielsweise die Politik, insbesondere die Spitzenpolitik, der Finanzmarkt, Managementfunktionen in Wirtschaft und Industrie und auch die Jagd. Der Anteil der Frauen, die den Jagdschein erwerben, wächst stetig. Aber was hat es auf sich mit einem höheren Frauenanteil beim „Männerhandwerk“ Weidwerk? Ist das „schwache Geschlecht“ überhaupt den körperlichen Anforderungen der Jagd gewachsen? Steht eventuell der Ruf der Jagd durch eine „Verweiblichung“ auf dem Spiel? Und wie reagieren Nicht-Jäger auf (mehr) Frauen unter Österreichs Jägern? Haben Jägerinnen möglicherweise andere Motive als Männer, wenn es um die Ausübung der Jagd geht? Viele Fragen stellen sich, insofern ist Frau in der Jagd auch ein spannendes aktuelles Forschungsthema über gesellschaftlichen Wandel, Sozialpsychologie und Gender Shift. Mit Hilfe zweier Untersuchungen sollte „Frau in der Jagd“ empirisch vermessen und ausgelotet werden. In Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband Salzburg wurden 1159 Salzburger Jäger online befragt- darunter auch rund 160 Jägerinnen. Gleichzeitig erfolgte eine österreichweite Bevölkerungserhebung zu diesem Themenfeld, um die breite öffentliche Auswirkung von mehr Frauen in der Jagd zu quantifizieren. Vorweg- die Studienergebnisse zeigen relevante Ergebnisunterschiede. Gleich die Einstiegsfragen, bei denen es um die jagdliche Aktivität ging, zeigen markante Geschlechter-Unterschiede. Männliche Jäger deklarieren sich als jagd-aktiver und sehen auch stärker ihren Freizeitschwerpunkt in der Ausübung der Jagd. 

Die Antworten auf die Frage nach den Jagdmöglichkeiten machen aber sehr schnell klar, dass bei den Möglichkeiten auf die Jagd zu gehen, Frauen derzeit die wesentlich schlechteren Karten besitzen. Jägerinnen werden eher nur punktuell zur Jagd eingeladen und haben dadurch einen deutlich schlechteren regelmäßigen Zugang zum Jagdhandwerk. Ganz massiv zeigt sich dies bei den Genossenschaftsjagden. Hier haben die Frauen nur einen etwa halb so guten Zugang wie Männer. Mit anderen Worten: Genossenschaftsjagden halten sich bis dato eher „frauenfrei“ . Es wird hier eher eine typische Männerwelt gepflegt, die Frauen nur zum temporären Aufputz einlädt.

 Zwischenfazit: Jägerinnen haben einen massiv eingeschränkten Zugang zur Jagd. Sie müssen sich mehrheitlich mit Einladungen begnügen. Darüber hinaus zeigt sich das System der Genossenschaftsjagden gegenüber von Jägerinnen eher verschlossen. Wer weniger Zugang zur Jagd hat, kommt handwerklich ins Hintertreffen. Die Antworten auf die Abfrage: welche der folgenden jagdlichen Aktivitäten betreiben sie? zeigt dies deutlich. Abschusserfüllung, Erhaltung und Ausbau der Revierinfrastruktur, Winterfütterung, etc. sind weitgehend männerlastig. Jägerinnen dürfen sich als Wildköchinnen beweisen und tun dies auch. Jägerinnen übertrumpfen das männliche Geschlecht beim Führen von Jagdhunden, in der kritischen Diskussion mit Jagdgegnern sowie bei der jagdlichen Kulturpflege.

Frauen dürfen sich nicht so richtig ins derzeitigen Jagd-System einbringen. Die Freiheit der Jagd genießt vorwiegend die Männerwelt. Wiewohl die Verantwortung für den Jagdhund zunehmend in den Händen der Jägerinnen liegen wird. Es ist also keine einigermaßen ausgeglichene Freiheits- Verantwortungsbilanz vorhanden. Dies erstaunt umso mehr, als Jägerinnen nahezu exakt die identen Motive für die Ausübung der Jagd aufweisen wie die männlichen Jäger. Was bei beiden Geschlechtern in Mittelpunkt der Beweggründe steht, ist das tiefe Naturerlebnis bei der Jagd. Weiters wird die entspannende Wirkung der Jagd ins treffen geführt und dann hat noch das Produkt der Jagd - das Wildbret- einen besonderen Stellenwert. Eines fällt auf - Frauen werden stärker über familiäre Bande in die Jagd sozialisiert als Männer. Letztlich gibt es bei den Kernmotiven aber keine signifikanten Unterschiede zwischen den jagenden Geschlechtern.

Jagende Frauen wirken sich vielschichtig positiv auf die Jagd aus und es wird von der männlichen Jägerschaft die Teilhabe begrüßt (derzeit allerdings eher als Beiwerk zur Jagd und nicht auf gleichberechtigter Augenhöhe). Es ist unzweifelhaft, dass sich jagende Frauen positiv auf den Ruf und das Image der Jagd auswirken, gleichzeitig ist es sehr schwierig für Jägerinnen in dieser Männerdomaine fest Fuß zu fassen. Frauen erhöhen die Aufmerksamkeit für die Jagd in der Bevölkerung und verbessern den Sympathiewert. Keineswegs lassen Jägerinnen gelten, dass sie das Jagdhandwerk körperlich oder zeitlich überfordert. Das sind zum Teil typische Männervorturteile – schließlich schafft auch kein noch so durchtrainierter Mann den erlegten Brunfthirsch alleine und ohne technische Hilfen bergwärts auf die Forststraße zu bringen.

Das jüngste Bevölkerungssegment (16 bis 29 Jahre) erkennt die positive Auswirkung von Frauen auf der Jagd besonders. Gerade dieses Ergebnis hat eine wichtige Indikatorfunktion für einen Einstellungswandel. Das große Interesse der Frauen an der Jagd ist bereits bei den Jägern angekommen, allerdings braucht es noch eine breitere Öffnung des Systems für Jägerinnen. Das gelegentliche,“ großzügige Führen“ auf den schwachen Jahrlingsbock reicht nicht. Jägerinnen wollen auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen jagen - da braucht’s in Zukunft wesentlich mehr Vertrauen in die Kompetenz und Leistungsfähigkeit der österreichischen Jägerinnen.




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Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer