Der Nationalstolz der Österreicher und Österreicherinnen

Hand in Hand mit der zunehmenden Wertschätzung eines gemeinsamen Europas hat sich auch das Nationalbewusstsein der Österreicher/innen vertieft. Im Langzeitvergleich von über 20 Jahren finden sich bemerkenswerte Veränderungen bei der österreichischen nationalen Identität.

 

Schöne Landschaft, sauberes Wasser und die Berge definieren vordergründig unsere Heimatliebe. Einen besonders kräftigen Anstieg jedoch hat die Erkenntnis gemacht, dass wir hohe Lebensqualität genießen (plus 28 Prozent). Dazu zählt unter anderem auch die wahrgenommene Umweltqualität. In diesem Punkt macht der Anstieg über die letzten 20 Jahre 10 Prozentpunkte aus.

 

Sehr weit vorne präsentiert sich auch die Identitätsstiftung der österreichischen Küche mit einem leichten Anstieg gegenüber den 90er Jahren. Bemerkenswert dabei, der Stolz der ÖsterreicherInnen auf die soziale Sicherheit scheint eher zu stagnieren. Ähnlich stagnierend sind die Ergebnisse beim Sozialsystem und der Neutralität (mittleres Ausprägungsniveau, aber über 20 Jahre keine Veränderung).

 

Verschlechtert hat sich die nationale Identität deutlich in Sachen Schul- und Berufsbildung (minus 9 Prozent) sowie die Beurteilung der wissenschaftlichen Leistungen in Österreich. Äußerst sorgenvoll ist auch der Blick auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft und Industrie geworden (minus 14 Prozent). Interessant ist, dass die sportlichen Erfolge immer weniger zum Nationalbewusstsein beitragen.

 

Alarmierend scheint sich das Geschichtsbewusstsein zu verändern: offenkundig verblasst der Stolz der ÖsterreicherInnen auf die geschichtsträchtige Vergangenheit des Landes immer stärker im Vergleich zu noch vor 20 Jahren. Zunehmend am Prüfstand des Nationalbewusstseins steht auch die politische Stabilität im Lande. Ein deutliches Minus in der Wahrnehmung bedeutet hier wohl, dass es in diesem Punkt nicht besser geworden ist oder dass zu viel Stabilität wohl auch mit Stillstand übersetzt werden kann. Das wahrgenommene internationale Ansehen der österreichischen Politik ist in den letzten 20 Jahren ebenfalls deutlich unter die Räder gekommen und verzeichnet ein Minus von 13 Prozent. Übrigens, es besteht durchaus ein gerütteltes Maß an Unsicherheit, ob wir stolz auf unsere Ausländerfreundlichkeit sein können. Zumindest war dieser Stolz vor 20 Jahren noch viel stärker unter den ÖsterreicherInnen ausgeprägt.

 

 

 

Dokumentation der Umfrage B1447: n=500 Online Interviews; repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren Erhebungszeitraum: 11. bis 14. Oktober 2016, maximale statistische Schwankungsbreite n=500 +/- 4,47 Prozent





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Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer