Das Ansehen des Bundespräsidentenamtes leidet!

Wahlwiederholung, Wahlverschiebung – Verlierer vor der Wahl ist das Amt des Bundespräsidenten selbst.

 

Hofburg-Wahl: Nach nun endgültiger Entscheidung über eine Verschiebung der Wiederholung, steht der nächste bundesweite Wahlgang unter keinem guten Stern. Kein Wunder bei der Vorgeschichte. Vorweg: Das Debakel um die Wahlkarten hat nahezu aller WählerInnen erreicht, kaum jemand hat nicht davon gehört - und dies noch vor der offiziellen Entscheidung zur Wahlwiederholung. Vielleicht gerade deswegen ist das retrospektive Urteil über die Notwendigkeit der Wahlwiederholung nicht so breit verankert, 53 Prozent (und damit mehr als einem der beiden Kandidaten Stimmen zugegangen sind) geben heute an, dass die Anfechtung des Ergebnisses nicht notwendig gewesen wäre. Vier von zehn Personen würden sich wünschen, dass es keine weitere Wahl mehr gibt, sondern das Erstergebnis bestätigt werden würde. Dass eine Wahl völlig fehlerfrei abgehalten werden kann, daran glaubt man mehrheitlich zumindest nicht. Der Demokratie verpflichtet sehen dennoch acht von zehn ÖsterreicherInnen die Zahl der Nicht-Wähler steigen und glauben mittlerweile an eine Wahlmüdigkeit.

 

 

Und: Einig ist sich die Bevölkerung zumindest in einer Sicht, denn Kosten für einen erneuten Wahlkampf sind ein Dorn im Auge. Neun von zehn Personen würden sich wünschen, dass bei Wahlwiederholungen kein weiteres Geld für Wahlwerbung ausgegeben wird. Unabhängig vom letztendlichen Wahlausgang, einen Verlierer gibt es bereits jetzt – und darüber wird sich keiner der beiden Kandidaten freuen können. Das Ansehen des Bundespräsidentenamtes hat deutlich Schaden genommen. Vor zwei Jahren waren es knapp 60 Prozent für die das Bundespräsidentenamt verzichtbar wäre, heute sind es schon knapp 70 Prozent. Dass der Bundespräsident eine wichtige politische Funktion ausübt, glaubt mittlerweile nur noch ein Drittel. Der, wie mehrfach behauptet, besonders schmutzige Wahlkampf, führt nicht nur zu einer Diffamierung des Gegners, sondern rüttelt auch am Amt selbst, das zu bekleiden versucht wird. Der Bundespräsident wird seltener als moralische Instanz gesehen als noch vor zwei Jahren.

 

 

 

Dokumentation der Umfrage BM1436: n=770 Online Interviews; repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren Erhebungszeitraum: 09. bis 11. September 2016, maximale statistische Schwankungsbreite n=770 +/- 3,60 Prozent





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