Covid-19 zieht Verschwörungstheorien an

Die Meinung, dass es bei den Maßnahmen gegen die Corona-Krise um ganz etwas anderes geht, als das, was die Politik und Medien derzeit sagen, hat ziemliches statisches Gewicht in unserer Gesellschaft. Immerhin ein knappes Drittel (32 Prozent) mystifiziert Covid-19, kritisiert dass nicht mit offenen Karten gespielt wird und gibt damit Verschwörungstheorien breiten Raum.

 

Das renommierte „Institut für Demoskopie Allensbach“ hat die Frage gestellt: „Man hört ja manchmal Meinungen, dass es bei den Maßnahmen gegen die Corona-Krise um etwas ganz anderes geht als das, was Politik und Medien sagen. Ist da Ihrer Meinung nach was dran, oder ist das Ihrer Meinung nach ein unbegründeter Verdacht?“

 

Das Ergebnis in Österreich ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zunächst ist die Gruppe der Verschwörungstheoretiker wesentlich höher als in Deutschland (20 Prozent zu 32 Prozent). Das zweite zu Deutschland differenzierende Ergebnis betrifft die Unentschiedenen. Unentschiedene sind Personen mit unsicherer Meinung oder keiner Meinung zur Verschwörungstheorie und vor allem sind sie nicht gegenteiliger Meinung. Folglich ist dieses Segment gewissermaßen „verschwörungstheoretisch“ gefährdet.

 

 

Es sind also nur 41 Prozent, die eine Covid-19 Verschwörung von Politik und Medien dezidiert ausschließen. In Hinblick auf demographische Unterschiede fällt hier das mit niedrigem Alter zunehmende Misstrauen gegenüber Politik und Medien auf. Offenkundig finden also Verschwörungstheorien innerhalb der vermehrt durch Social Media Bubbles geprägten jüngeren Generationen mehr Nährboden. Auch die Präferenten der Oppositionsparteien – hier allen voran jene der FPÖ – sind deutlich häufiger der Meinung, dass es bei den Maßnahmen gegen die Corona-Krise um etwas ganz anderes geht als das, was Politik und Medien sagen. Ein interessantes Bild zeigt sich auch beim Blick auf die wahrgenommene gesundheitliche und wirtschaftliche Bedrohung im Vergleich von Personen, die einer Verschwörungstheorie etwas abgewinnen können mit jenen, die hier einen unbegründeten Verdacht sehen.

 

 

Denn der Politik und den Medien misstrauisch gegenüberstehende Personen („Es ist etwas dran“) stufen die wirtschaftliche und auch die gesundheitliche Bedrohung viel gravierender ein. So sind für 39 Prozent die gesundheitlichen Auswirkungen und für 44 Prozent die wirtschaftlichen Auswirkungen bedrohlich (jeweils Note 1+2). Im Gegensatz dazu werden innerhalb der Gruppe jener, die in puncto Verschwörung einen unbegründeten Verdacht sehen, die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen nur von einem guten Viertel als bedrohlich eingestuft. Dies legt den Verdacht nahe, dass Personen mit einem höheren Bedrohungsempfinden gleichzeitig auch zugänglicher sind für Verschwörungstheorien.

 

Dokumentation der Umfrage: MARKET INSTITUT, Studiennummer MT2085; n=1000 Online-Interviews; repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Gesellschaftsindikatorforschung 2020/KW31; Befragung am 24.07.2020 - 25.07.2020





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Ihre Ansprechperson

Mag. Thomas Pargfrieder
Senior-Researcher