Angriff auf Wien: Terror in Zeiten von Corona

Als wäre die Situation durch die anhaltende Corona-Pandemie und den neuerlichen Lockdown in Österreich in den letzten Tagen und Wochen noch nicht angespannt genug, traf diese Woche ein unfassbarer Terrorakt Wien und die Herzen aller ÖsterreicherInnen. market ging aus diesem traurigen Anlass der Frage nach, wie groß derzeit die erlebte Terrorbedrohung in unserem Land ist, wie sehr die heimischen Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle haben und ob wir vor dem Beginn einer neuen Terrorwelle stehen. Plus: inwieweit sieht man Zusammenhänge mit der derzeitigen Corona-Situation?

 

Jeder Zehnte fühlt sich aktuell explizit von möglichen Terrorangriffen wie zuletzt in der Wiener Innenstadt bedroht, dabei zeigt sich grundsätzlich große Einigkeit zwischen den jeweiligen Untergruppen. Auffällig dabei ist auch, dass in Wien selbst eine potenzielle Gefahrenlage nur bedingt höher eingeschätzt wird. In Summe äußert sich in etwa ein Viertel diesbezüglich besorgt (Kumulation der ersten beiden Noten). Damit lagert der persönliche Bedrohungslevel in diesem Zusammenhang auf einem sehr ähnlichen Niveau wie die aktuellen Corona-Werte von Oktober und zeigen damit die Tragweite des Anschlags auf.

 

 

Rund 40 Prozent schreiben den heimischen Sicherheitskräften einen guten und kontrollierten Umgang mit der unmittelbaren Terrorgefahr zu, für ein weiteres Drittel fällt dieser zumindest akzeptabel aus. Im Detail geben sich an dieser Stelle die Jüngeren bis 29 Jahre am zuversichtlichsten. Auffällig ist jedoch der Vergleich mit dem Umgang mit Corona zu Beginn der Pandemie. Im März 2020 gestand man den Verantwortlichen einen durchwegs besseren Kontrollzugang zum damaligen Bedrohungsszenario durch das Virus zu und stuft damit das aktuelle Terrorgeschehen indirekt als gefährlicher ein.

 

 

Dies gilt in gewisser Weise auch für den Blick auf den internationalen Vergleich:

 

 

Hatten im Frühjahr bei Corona noch 70 Prozent der ÖsterreicherInnen das Gefühl, dass wir im Gegensatz zu anderen EU-Ländern besser in der Bekämpfung gegen das Virus aufgestellt waren, sind es beim Thema Terror jetzt nur noch 17 Prozent. Der Großteil von über 60 Prozent sieht im Vergleich der Terrorbekämpfung immerhin einen etwa gleich guten Level, knapp jeder Zehnte ortet jedoch auch Nachteile für Österreich.

 

Der Beginn einer neuen Terrorwelle in Europa?

 

Eine zentrale Frage ist freilich auch, wie es nun im Hinblick auf zukünftige Anschläge weiter geht. Die Büchse der Pandora wurde nach längerer Zeit wieder geöffnet, womit nun die Frage im Raum steht, ob die islamistisch motivierten Anschläge in Wien und Frankreich den Beginn einer neuen Terrorwelle für Europa bedeuten. Immerhin knapp 60 Prozent rechnen derzeit mit weiteren Anschlägen in anderen Ländern bzw. Städten, 11 Prozent geben sich davon vollends überzeugt. Für Österreich schätzt man die unmittelbare Situation etwas entschärfter ein, allerdings sind auch hier 45 Prozent der Meinung, dass die Tat vom Montag bedauerlicherweise keine Ausnahme gewesen sein wird.

 

 

Interessant ist bei beiden Bewertungen übrigens auch – kaum jemand ist davon überzeugt, dass es zu keinen weiteren Anschlägen in naher Zukunft kommen wird.

 

Wird die Corona-Pandemie zur Terrorverbreitung missbraucht?

 

Auf den ersten Blick haben der Terror von Wien und Corona wenig miteinander zu tun. Allerdings stehen gewisse Vermutungen im Raum, dass der bevorstehende Lockdown ab 3. November ein unmittelbarer Auslöser für die Schreckenstat in Wien gewesen sein könnte, um noch möglichst viele Opfer auf den Straßen und in den Lokalen anzufinden. In der Folge glaubt mehr als ein Viertel der befragten ÖsterreicherInnen daran, dass die derzeitige Corona-Situation einen Einfluss auf mögliche Terrorangriffe in Europa hat. Vor allem Jüngere geben sich von entsprechenden Zusammenhängen überzeugter, während Ältere ab 50 Jahren etwaige Anschläge vermehrt unabhängig von der Pandemie sehen.

 

 

Abschließende Einigkeit zeigt sich bei der Frage nach Österreichs Rolle im Hinblick auf eine zukünftige Terrorbekämpfung. Mehr als die Hälfte der ÖsterreicherInnen wünschen sich angesichts der aktuellen Ereignisse auf jeden Fall eine stärkere Aktivität gegen islamistischen Terror und fordern, dass unser Land diesbezüglich deutlicher Stellung bezieht. In weiterer Folge sind es über 80 Prozent – dabei vorrangig die Älteren ab 50 Jahren – , die diesen Ansatz für richtig und notwendig erachten.

 

 

Dokumentation der Umfrage: MARKET INSTITUT, Basis: 1.000 national repräsentative Interviews (online im market Panel) Befragungszeitraum: KW45 / 2020





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Ihre Ansprechperson

Mag. Stefan Anzinger
Senior-Researcher