Was macht den Unterschied: Eigenjagd-, Genossenschafts- und Einladungsjäger im Quervergleich

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

 

Unterscheidet der Zugang zum Jagdrevier die Jäger? Gibt es einen typischen Jäger im Genossenschaftsrevier und was differenziert ihn beispielsweise von einem Jäger, der in einer Eigen- bzw. in einer Pachtjagd seiner Leidenschaft nachgeht? Was zeichnet den Einladungsjäger aus, der keinen Revier- oder Pirschbezirk zur Verfügung hat, sondern sich mit Jagdeinladungen begnügen muss?

 

Diesen Fragen soll nachfolgend sekundäranalytisch nachgegangen werden, d.h. auf Basis mehrerer Jägerbefragungen aus den Jahren 2011*), 2014**) und 2017***) wurden diese drei Jägertypen extrahiert und über sämtliche Ausprägungsmerkmale der Fragebögen ausgewertet. Dabei spannend – wo liegen die statistisch signifikanten Unterschiede? Die statistischen Proportionen sind durchaus interessant: Bei diesen Untersuchungen haben sich ca. 25 Prozent der Jäger als ohne Revier oder Pirschbezirk deklariert. Diese werden in der Folge „Einladungsjäger“ genannt. Im Rahmen einer aktuellen Leserbefragung von Wild & Hund (8/2017) dürfte dieses Segment der revierlosen Jäger in Deutschland mit 39 Prozent deutlich größer sein. Genau ein Drittel aller österreichischen Jäger haben einen geregelten Zugang zu einer Pacht- oder Eigenjagd. Die größte Gruppe sind mit 42 Prozent Pächter oder Ausgeher in einer Genossenschaftsjagd.

 

Zunächst zur Motivlage. Jäger wird man hauptsächlich aus Naturbegeisterung und aus familiärer Tradition. Bei den Beweggründen zeigen sich recht geringe Unterschiede zwischen dem Genossenschafts- und dem Eigenjagdjäger. Es sind Naturinteresse und familiäre Tradition etwa gleich stark ausgeprägt. Der Einladungsjäger fällt durch eine signifikant hohe Nennung beim Naturinteresse auf, familiäre Jagdtradition liegt mit Abstand zurück.

 

Evaluierung der Jagdausbildung erforderlich

 

Doch am Anfang steht der Jagdkurs. Hier zeigen sich deutliche Differenzen. Der Eigenjagdjäger ist im Nachhinein mit der Wissensvermittlung beim Vorbereitungskurs zur Jagdprüfung signifikant weniger zufrieden. Er hat, wie sich noch zeigt, ein höheres handwerkliches Anspruchsniveau, das offenkundig von den Vorbereitungskursen nicht zufriedenstellend abgedeckt wird. Spannend wären die konkreten Inhalte, die von den Eigenjagdjägern, als zu wenig oder fehlend eingestuft werden. Eine Evaluierung der Ausbildungen zum Jäger und Jagdaufsichtsorgan erscheint vor diesem Ergebnishintergrund durchaus zweckmäßig.

 

 

Das hohe Anspruchsniveau des Eigenjagd-Jägers korreliert mit einer deutlich intensiveren Jagdausübung.

 

 

Die Selbsteinschätzung beim jagdlichen Handwerkszeug hat auf den ersten Blick einen gemeinsamen Nenner. Präzise schießen können sie alle, behaupten sie zumindest von sich. Die Eigenbewertung bei der Schussgenauigkeit ist einheitlich hoch ausgeprägt. Hier verhält es sich wie beim Autofahren, in keiner empirischen Studie findet man einen schlechten Autofahrer. Beim Einladungsjäger liegt die selbst attestierte Schusspräzision sogar an zweiter Stelle des jagdhandwerklichen Rankings. Ansonsten brilliert beim jagdlichen Können vor allem der Eigenjagdjäger. Er ist vorne beim Wissen um die Schonzeiten, beim Zerwirken, bei jagdethischen Fragen, zeitgemäßen Bejagungsmethoden, Waffe und Munition, dem Jagdhund und bei der Zubereitung von Wild.

 

 

Interessant: Beim Dialog mit der Öffentlichkeit liegt der Eigenjagdjäger hinter den anderen beiden Gruppen. Während beim Handwerk der Eigenjagdjäger seine Pole Position klar deklarierte, tut er sich beim jagdlichen Brauchtum weniger hervor. Offenkundig liegt dem Eigenjagdjäger mehr das Handwerk und weniger das Brauchtum am Herzen. Abzuwägen gilt es für die Zukunft: Wie viel Brauchtum braucht die Jagd und wird auch das nötige Handwerk vermittelt? Brauchtum kann Handwerk nicht ersetzen. Die market Jägerbefragung von 2014**) hat ebenfalls deutlich gezeigt, dass sich die österreichischen Jäger punkto gelebtem jagdlichem Brauchtum sehr gut einstufen, es aber veritable Unsicherheiten beim Jagdhandwerk gibt.


Brauchtum kann Handwerk nicht ersetzen

 

Übrigens: Der Einladungsjäger liebt die Streckenlegung. Jägerlieder und Jagdmusik erfahren ebenfalls eine tendenziell höhere Wertschätzung beim Einladungsjäger. Er ist offenkundig der sehr gesellige Typ der mit Liedwerk und einem breiten Repertoire an Witzen die „Runde“ hervorragend unterhalten kann.

 

 

Gibt es Unterschiede zwischen diesen drei Jägertypen in der „Grauzone“ der Jagd, also wenn es darum geht, dass möglicherweise illegale Jagdtechniken eingesetzt werden? Die demoskopische Fragestellung dazu war „projektiv“. Frageformulierung: „Ganz ehrlich: Nützen Jäger, die Sie kennen, folgende Mittel, um Wild erlegen zu können?

 

Da fallen die Eigenjagdjäger besonders auf, indem sie behaupten viele schwarze Schafe zu kennen. Die Kirrung ist offenbar ein besonders intensives Thema in der Jagd. Signifikant höhere Ausprägung hat das Kirren bei den Eigenjagdjägern. Das trifft auch „bei der Jagd vom KFZ aus“ zu. Nachtsichtgerät und extreme Weitschüsse finden sich ebenfalls deutlich häufiger im Segment der Eigenjagdjäger. Fazit: Zwei Themen dominieren das Feld der illegalen Jagdtechniken. Das ist das intensive Sichtbarmachen des Wildes durch Kirrung und die Jagd in der Nacht mittels Nachtoptik und Scheinwerfer. Ist zwar nicht erlaubt, wird aber offenkundig intensiv gelebt. Unter den Eigenjagdjägern ist die Nachtjagd mit 56 Prozent am allerhöchsten ausgeprägt – wohl nur auf Schwarzwild.

 

Revier und Papier sollten nicht im Widerspruch stehen

 

Die market Jägerstudie von 2014 hat mehrere Herausforderungen klar aufgezeigt unter anderem „das Schaffen des Abschusses“. Verständlich, dass vor allem der Eigenjagdjäger eine realitätsnähere Jagdpolitik fordert. Revier und „Papier“ sollten nicht im Widerspruch stehen. Derzeit braucht es vielfach allerlei „Anpassungen“ (und manchmal auch viele Nachtstunden) bis es passt, das Papier.

 

 

Der Genossenschaftsjäger ist kein auffälliger Jäger. Er bildet den Ruhepol oder den Mittelwert zwischen dem extrovertierten Einladungsjäger und dem sehr fordernden Eigenjagdjäger. Der Genossenschaftsjäger bildet das stabile Fundament der Jagd. Der Eigenjagdjäger ist Veränderer und Weiterentwickler. Der Einladungsjäger besticht als Kommunikator und Bindeglied zur nichtjagenden Bevölkerung. Jeder erfüllt wichtige Aufgaben, die die Jagd zu bewältigen hat.


*) Vgl. market Institut: Z 1689; telefonische Jägerbefragung in Gesamtösterreich (n=500), März 2011

**) Vgl. market Institut: Z2143; online Jägerbefragung in Gesamtösterreich (n=371), Jänner 2014

***) Vgl market Institut: Z2498; Online Jägerbefragung in Gesamtösterreich (n= 420); April 2017

 

 

 




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Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer