Wahlprogramme werden völlig überschätzt

Zunächst einmal überragen Personen den aktuellen politischen Markt. Personen stehen für Durchsetzungskraft, Veränderung, Glaubwürdigkeit und Hoffnung. Parteien hingegen werden als Relikte der Vergangenheit eingestuft und sind aus Perspektive der Bevölkerung schwerfällig, differenzieren sich inhaltlich kaum und sind vor allem auf sich selber - also das Parteiwohl - zentriert.

 

Mit Parteien ist derzeit kein Staat zu machen. Ähnlich ist die Situation bei den politischen Programmen. Es scheint nur die Journalisten zu interessieren, was da drin steht und wann sie veröffentlicht werden. Es geht auch längst nicht mehr um die politischen Programme. Auf diese Programmatiken verzichtet die Bevölkerung gerne. Es besteht zu hohe Austauschbarkeit, meistens eine recht geringe Umsetzungsrealität und vieles ist auch schwer verständlich. Folglich zählt besonders der Ruf, also das Image, wer die besten oder besseren politischen Ideen und Konzepte hat.

 

Und da gibt es recht klare Ergebnisse im Augenblick und zwar völlig unabhängig von der mehr oder weniger aktuellen Veröffentlichung der sogenannten Partei- bzw. Wahlprogramme.

 

 

Das market –Institut hat Anfang August im Auftrag der Tageszeitung DER STANDARD die Österreicher befragt, welche Partei die besten Konzepte und Ideen für Österreich hat. Das Ergebnis ist bemerkenswert und höchst differenzierend.

 

Bereits Anfang August lag die Kurz-ÖVP ideenmäßig meilenweit vor der SPÖ. Mit anderen Worten: Den Ruf, dass Kurz die besseren politischen Inhalte besetzt, war lange vor Präsentation des Wahlprogrammes in den Köpfen der Österreicher verankert. Soweit zur Relevanz der Wahlprogramme. Diese werden offenkundig von manchen Experten fundamental überschätzt.

 

Die inhaltliche “Konzeptqualität“ der ÖVP lag in der ersten Augustwoche mit 52 Prozent weit vor der SPÖ mit 35 Prozent. Die Ideenqualität der SPÖ rangiert damit nur tendenziell etwas besser als jene der FPÖ oder der Neos.

 

Noch ein interessantes Ergebnis: Liste Pilz schafft nahezu das „Ideenniveau“ der Grünen (Pilz 17 Prozent und die Grünen 22 Prozent). Pilz wird damit inhaltlich vergleichbar ernst genommen, obwohl 52 Prozent der Österreicher ihn inhaltlich noch nicht zuordnen können. Dieser Wert liegt bei den Grünen bei 20 Prozent. Pilz ist damit ein nicht zu unterschätzender Mitbewerber im „grünen Wählersegment“.

 






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Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer