Politik: Der Kurz-Effekt

Zuletzt ist kräftige Bewegung in die österreichische Innenpolitik gekommen. Wie wird es nach Mitterlehner mit der ÖVP weitergehen? Ein Quervergleich mit der SPÖ zeigt Chancen. Bundeskanzler Christian Kern bekommt nach einem Jahr im Amt gute Noten. Er habe dem Land ebenso wie seiner eigenen Partei gut getan, sagt die neuste market Umfrage. Aber: Sebastian Kurz wird Ähnliches zugetraut.

 

Christian Kern überstrahlt alle und alles. Oder fast alle: Ein Jahr nachdem er SPÖ und Kanzlerschaft übernommen hat, hat Kern Umfrage-Werte, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat.

 

Im Vergleich zu seinen Vorgängern im Kanzleramt erhält Kern die beste Bewertung. Sein unmittelbarer Vorgänger Werner Faymann wird mit der schlechtesten Note bewertet. Jeder Dritte sieht die Faymann-Ära gerade noch als „genügend“ und von 23 Prozent bekommt er gar ein „nicht genügend“. Nur drei Prozent geben ihm ein „sehr gut“, zehn Prozent ein „gut“ und 31 Prozent die Note „befriedigend“. Der Mittelwert für Faymann liegt auf einer fünf-stufigen Schulnotenskala bei nicht berauschenden 3.63. Kern erzielt 2.71 und deklassiert damit auch Viktor Klima und Alfred Gusenbauer sowie den ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel.

 

 

Darüber freuen kann sich Kern nicht uneingeschränkt, schließlich wird der Amtsinhaber von Jungstar der ÖVP Sebastian kurz in den aktuellen Umfragen deutlich in den Schatten gestellt. Kurz hat eine Mehrheit in allen Altersschichten, während Kern bei älteren Befragten mehr Punkte sammelt als bei jüngeren. Auch zeigt sich ein unterschiedliches Stadt-Land-Muster: Kern spricht Städter mehr an, Kurz reüssiert bei der ländlichen Bevölkerung besonders. Und er polarisiert weniger: Während Kern nur sehr wenige Freiheitliche ansprechen kann, sind die freiheitlichen Wähler mehrheitlich der Meinung, dass Kurz ein geeigneter Kanzler wäre. Ebenfalls auffällig: Kurz strahlt derzeit auf die SPÖ-Wähler mehr Kanzlerkompetenz aus als Kern auf die ÖVP Wähler.

 

In der weit gefassten Frage, wer für den Kanzlerjob geeignet wäre, wurden von den drei großen Parteien jeweils zwei Politiker abgetestet. Dabei zeigt sich, dass Sebastian Kurz mit 57 Prozent noch vor dem Amtsinhaber liegt – und dass beide einen großen Vorsprung vor allen anderen denkbaren Kandidaten haben.

 




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Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer