Nationalratswahl 2017: Die letzten Tage im Wahlkampf

Der Wahlkampf verschleißt die Spitzenkandidaten. Je länger der Wahlkampf dauert, je härter die Auseinandersetzungen geführt werden umso kritischer beurteilen die Österreicher die Spitzenkandidaten. Auch der Ruf der Politik hat schwere Kratzer abbekommen. Dirty Campaining hat den ohnehin bestehenden Misstrauensvorwurf gegenüber der hohen Politik weiter bestärkt.

 

Doch wer wird als Sieger nach der Wahl dastehen? Die Erwartungshaltung ist ziemlich eindeutig: 74 Prozent meinen, dass die Liste Kurz am Wahlabend als Sieger bezeichnet wird (nur 11 Prozent glauben das Gegenteil). Weil aber in Österreich jeder, der bei einer Wahl deutliche Zugewinne erzielt, von den Medien als Sieger bezeichnet wird, trauen 64 Prozent der FPÖ zu, als „Wahlsieger“ zu gelten. Mit 40 Prozent liegt Peter Pilz überraschend an dritter Stelle der Siegerliste.

 

Der SPÖ wird in dieser Umfrage - klar vor allen anderen Parteien – von 72 Prozent die Marke „ Wahlverlierer“ angeheftet, nur 10 Prozent glauben an einen Wahlsieg der Sozialdemokraten. Das gilt auch für deren eigene Wählerschaft – von den erklärten SPÖ Wählern glaubt nur ein knappes Drittel an einen Wahlsieg, 55 Prozent haben sich mit der Niederlage mehr oder weniger abgefunden.

 

 

 

 

Für die Wahlentscheidung ist bedeutsam, ob man den Parteien das glaubt, was sie so über sich, über die künftige Politik und über die Mitbewerber verbreiten. 

 

Vorgegeben war eine Benotung nach Schulnoten – und mit 2,81 und 2,82 liegen die Liste Peter Pilz und die "Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei" de facto gleichauf. Jedenfalls mit deutlichem Abstand zu den Neos (3,12) und der FPÖ (3,16). 

 

Auffallend ist, dass Pilz besonders oft die Note eins von erklärten Wählern der SPÖ, der Neos und der Grünen erhält. Die ÖVP-Liste Kurz bekommt die Note "sehr gut" fast ausschließlich von erklärten eigenen Wählern.

 

Die SPÖ – Notenschnitt 3,24 – bekommt ihre Einser dagegen fast ausschließlich von den verbliebenen SPÖ-Stammwählern. Die Grünen – Notenschnitt 3,42 – holen ihre Spitzenbenotung ebenfalls von eigenen Wählern, aber auch von jenen des Peter Pilz. 

 

Die weiteren kleinen Parteien haben schlechte Glaubwürdigkeitswerte, was aber nicht zuletzt auf deren geringe Bekanntheit zurückführt.

 

Was man aber klar feststellen kann, ist die Motivationslage jener Wähler, die sich klar für eine Partei entscheiden konnten. Dazu hat Market die Antworten von 2400 Befragten analysiert, die in den vergangenen Wochen die Sonntagsfrage beantwortet haben. Jene Wähler, die in der Sonntagsfrage ihre Präferenz angegeben haben, wurden gefragt, warum sie so oder so entschieden haben.

 

Die Tabelle zeigt sehr unterschiedliche Motive. Die stärkste Motivation haben FPÖ-Wähler – von ihnen wollen 71 Prozent ihre Partei in der Regierung sehen, ebenso viele FPÖ-Wähler meinen, dass die FPÖ die richtigen Themen anspricht. ÖVP-Wähler sind am stärksten durch den Spitzenkandidaten motiviert. SPÖ-Wähler werden gleich stark durch den Wunsch nach einer SPÖ-Regierungsbeteiligung angesprochen wie durch den Wunsch, Arbeitnehmerinteressen vertreten zu sehen. Pilz-Wähler sehen vor allem den Aufdecker Pilz.

 

 

 




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Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer