Gatterjagd: Verachtet, verheimlicht oder gar pervers?

Kaum ein Thema im Umfeld der Jagd erhitzt die Gemüter so sehr, wie die Jagd im Eigenjagdgatter. Vor allem die Tierrechtsaktivisten greifen die Jäger frontal an der Flanke „Gatterjagd“ an. Ihr Argument lautet vielfach, dass hier Tiere, die eigens für die Jagd gezüchtet und ausgesetzt werden, im eingezäunten Bereich nicht entfliehen können. Ja selbst unter Jägern ist dieses Kapitel der Jagd zuletzt in Diskussion geraten, wiewohl es in unserer Kultur eine alte Tradition der Gatterjagd gibt. Florian Asche, ein sehr versierter deutscher Jagdphilosoph, vergleicht die Gatterjagd mit einem jagdlichen Bordellbesuch. Der Ruf der Gatterjagd scheint endgültig ruiniert und Jagdgatter etwas für schießwütige Barbaren zu sein.

 

Ein Übriges tut dann noch die Veröffentlichung von falschen Zahlen. Immer wieder geistern Statistiken und Zahlen durch die Medien, die unkritisch zitiert und bedenkenlos weiterverbreitet werden, wiewohl sie völlig falsch sind.

 

So eine Falschmeldung fand sich am 8.6. 2016 auf der Homepage des VGT. Kampanisiert wurde das über 500 Hektar große Wildgehege von Mayr Melnhof in der Antheringer-Au nahe Salzburg. Ein Gatterjagdverbot und sogar der Verkauf des Auwaldgebietes forderte der VGT. Flankierende Maßnahmen dazu waren ein Antrag der Grünen im Landtag gegen die Gatterjagd in Salzburg, eine Demonstration vor der Forstverwaltung Glanegg, tausende Partezetteln mit Wildschweinen und Plakate von einem „anonymen Absender“ mit dem Konterfei von Max Mayr Melnhof und dem unmissverständlichen Hinweis – wanted.

 

Eine perfekte Kampagne, um auch Spendengelder zu mobilisieren. Inhaltlich argumentiert wurde die Aktion mit einer Umfrage von Ende März 2016, wonach 91,4 Prozent der Bevölkerung für ein Verbot dieser Gatterjagd auch in Salzburg sind. Diesen Zahlen waren zwar falsch und irreführend, hat aber offenkundig auch Verunsicherung bei manchen Politikern ausgelöst.

 

In Burgenland und Niederrösterreich stand die Gatterjagd plötzlich am politischen Tapet. Die Ansagen der Politik waren eindeutig. Gatterjagd abschaffen lautete die simple Lösung! Man könnte ja mit einer anderen Haltung möglicherweise potentielle Wähler vergraulen.

 

Das war Anlass, sich die Datenlage genauer anzusehen. Das market Institut hat daraufhin im Auftrag der Initiative Wildgerecht zwei statistisch repräsentative Befragungen in Niederösterreich durchgeführt und eine unter niederösterreichischen Jägern unter der Bevölkerung. Zielsetzung war die Messung der Einstellung zur Gatterjagd aus beiden Perspektiven, also in einem Bundesland mit Jagdgatter-Erfahrung. 1) 2)

 

Die Ergebnisse dieser Studien sind bemerkenswert. Zunächst – es gibt keine Mehrheit in der Bevölkerung die gegen die Gatterjagd ist. Es gibt auch keine Mehrheit in der niederösterreichischen Bevölkerung die gegen die Jagd im Allgemeinen ist. Konkret gibt es 27 Prozent Niederösterreicher die sich gegen die Jagd aussprechen und etwa gleich groß ist die Gruppe der strikten Jagdgatter-Gegner in der Bevölkerung. Andersrum: Die absolute Mehrheit der niederösterreichischen Bevölkerung (56 Prozent) ist für die Jagd und 57 Prozent haben auch kein Problem mit der Gatterjagd.

 

Damit stellt sich als nächstes die Frage: Wie gut werden in Niederösterreich die Wildgatter betrieben bzw. geführt. Auch hier findet sich im Ergebnis breite Akzeptanz. 83 Prozent aller Niederösterreicher stellen den Gatterbetreibern in ihrem Bundesland ein insgesamt positives Zeugnis aus. Befindet sich ein Jagdgatter in der Wohnortnähe des Befragten verbessert sich die insgesamt positive Bewertung (von 83 auf 90 Prozent).

 

Zwischenfazit: Die Bevölkerung von Niederösterreich hat kein Problem mit Wildgattern und der Gatterjagd in Niederösterreich.

 

Doch was denken die niederösterreichischen Jäger über Gatterjagd? Durchaus bemerkenswert ist die hohe Jagdgattererfahrung der NÖ-Jäger. 45 Prozent aller Jäger in Niederösterreich haben schon im Eigenjagdwildgatter gejagt. Rund ein Drittel aller NÖ Jäger jagt offenkundig regelmäßig oder häufiger auch im Wildgatter.

 

Weitaus überwiegend handelt es sich um Jagdgattererfahrung aus Österreich.

 

Gut vier Fünftel (83 Prozent) aller Jäger mit Gatterjagderfahrung würden bzw. werden auch wieder im Gatter jagen. Es besteht offenkundig eine hohe „Wiederkaufrate“ oder „Kundenzufriedenheit“.

 

Damit überrascht es auch nicht, dass sich die Mehrheit der Jäger keine Abschaffung der Gatterjagd wünscht.

 

 

In der Jägerschaft mit Jagdgattererfahrung liegt die „Beibehaltungsquote“ sogar bei 79 Prozent.

 

Was die Jäger aber bei diesem Thema quält, ist die Fehleinschätzung der Bevölkerungsmeinung. Niederösterreichische Jäger glauben nämlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen Jagdgatter ist, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Auch glaubt man von den anderen Jägern, dass diese eher gegen Jagdgatter sind. Mit anderen Worten: Die Jäger unterschätzen die generelle Befürwortung des Betriebes von Jagdgattern sowohl in der Bevölkerung als auch in der Jägerschaft. Sowohl Jäger als auch Politiker haben eine diffuse Angst vor einer breiten Ablehnung der Jagdgatter, die in dieser Form jedoch nicht existiert. Öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung gehen bei diesem Thema krass auseinander, es empfiehlt sich hier vorurteilsfreier zu sein.

 


Dokumentation der Umfrage BR1533:

n=418; telefonische CATI- und Online -Befragung unter Jägern in Niederösterreich

Erhebungszeitraum: 21. Juli bis 23. August 2017, maximale statistische Schwankungsbreite n=418 +/- 4,89 Prozent

 

n=500; online CAWI-Befragungen repräsentativ für die Niederösterreichische Bevölkerung ab 15 Jahren

Erhebungszeitraum: 21. bis 24. Juli 2017, maximale statistische Schwankungsbreite n=500 +/- 4,47 Prozent




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Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer
Institutsvorstand und Geschäftsführer