market Trends-Magazin

Charity, Fundraising & Co.: Was kommt bei den Österreichern gut an?

 

Auch 2011 hat market im Rahmen der jährlichen market Spendenstudie die Österreicherinnen und Österreicher zu ihrem Spendenverhalten befragt – aber auch um ihre Einschätzung der Transparenz und der Verwendung der Gelder bei den Hilfsorganisationen gebeten. Außerdem: Können die Österreicher mit den vielen Begrifflichkeiten rund um’s Thema Spenden eigentlich etwas anfangen?

Die Österreicher sind zwar nach wie vor keine Spendenweltmeister, aber die Spendenbereitschaft steigt in unserem Land wieder an: Nur jeder Fünfte spendet nicht – 2010 verweigerte noch jeder Vierte beim Spenden.

Was blockiert den Spendenfluss?

market erhob bei den Nicht-Spendern, was sie vom Spenden abhält. Am auffälligsten ist: Der Ärger über (zu häufige) Spendenaufrufe hat deutlich zugenommen, und zwar von 21 Prozent (2010) auf aktuell 37 Prozent! Häufiger als 2010 wird auch angeführt, man trage durch die Steuerzahlungen ohnehin genug bei – auch damit argumentieren 37 Prozent. Die 2010 noch von der Hälfte gewählte Rechtfertigung der Nicht-Spender, sie seien finanziell zu sehr belastet, wird 2011 nur mehr von einem guten Drittel ins Treffen geführt. Jeder fünfte Nicht-Spender verteidigt seine Haltung mit dem Argument, er habe schlechte Erfahrungen gemacht.
Erfreulich: Generelle Zweifel am Sinn des Spendens nehmen ab: 2007 bezweifelten noch 32 Prozent der Nichtspender, dass Spenden Sinn mache; dieser Wert sank in den Folgejahren kontinuierlich und liegt jetzt bei nur 14 Prozent.

 

 

Begriffe, die das Spenden sympathisch machen

Persönliche Betroffenheit, Aktualität der Ereignisse und eigene ökonomische Situation sind zweifellos die Hauptfaktoren der Spendenbereitschaft und –höhe. Aber es lohnt sich auch einen Blick auf den „Jargon“ zu werfen, der in Zusammenhang mit dem Spendenwesen verwendet wird. Lösen diese Begrifflichkeiten bei den Österreichern positive Assoziationen aus (und steigern eventuell die Spendenbereitschaft) oder wird mit so manchem „Wording“ gar etwas Negatives verbunden?
Die Österreicher haben besonders viel übrig für „Menschenwürde“, „Katastrophenhilfe“, „Ehrlichkeit“ und „Transparenz“ – so weit wenig überraschend. Das Wort „Spende“ an sich löst schon nur mehr bei etwas mehr als der Hälfte der Österreicher positive Gefühle aus und wenig bis gar nicht erfreut sind sie, wenn sie mit Begrifflichkeiten wie „Charity“, „Mildtätigkeit“, „Stiftung“ oder „Fundraising“ bombardiert werden – wobei mit letzterem Begriff beinahe die Hälfte der Österreicher gar nichts anfangen kann! Es lohnt sich, dies beim Lukrieren von Spenden zu berücksichtigen.

 

 

Kritischer Blick auf Spendengeldverwendung

Zwei Drittel der Österreicher geben an, sich sehr genau anzusehen, wofür sie spenden; dies gilt natürlich auch für die Hilfsorganisationen. Vertrauen die Österreicher darauf, dass die gespendeten Gelder zielgerichtet wirklich dorthin fließen, wo sie gebraucht werden? Zumindest was den finanziellen Aufwand für Öffentlichkeitsarbeit der Spendenorganisationen betrifft (die zweifelsfrei nötig ist, um Spenden zu lukrieren) sind sie durchaus kritisch: idealerweise sollten maximal 10 Prozent der Spendengelder für Öffentlichkeitsarbeit und
Geldbeschaffungsaktionen verwendet werden – den tatsächlichen Aufwand schätzt die Bevölkerung aber weitaus höher ein. In Summe 56 Prozent glauben, dass bis zu 30 Prozent der lukrierten Spenden für die Beschaffung von neuen hergenommen wird – und jeder Dritte ist sogar der Meinung, dass mehr als 30 Prozent dafür aufgewendet werden. Da ist von Seiten der Organisationen Transparenz und Glaubwürdigkeitsarbeit gefragt, um von der effizienten Verwendung der Gelder zu überzeugen.
Übrigens: am besten kann diesen Auftrag derzeit das Rote Kreuz erfüllen – keine Organisation wird in punkto Transparenz besser bewertet.

 

 

News_1202_Spendenfreudigkeit_der_Österreicher.pdf [692 KB]

Bestellblatt_Spendenstudie.pdf [207 KB]


 

 

Dokumentation der Umfrage ZM1832:
n= 1000 Face-to-face Interviews, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahre
Befragungszeitraum: 09. November bis 16. Dezember 2011
Maximale statistische Schwankungsbreite bei n=1000: ± 3,16 Prozent

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

Ansprechperson:
Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

Institutsvorstand und Geschäftsführer