market bat vor dem Jahreswechsel die Mitglieder seines Opinion-Leader-Panels, in dem österreichische Meinungsführer aus Wirtschaft, Bildungswesen, Medien und Politik vertreten sind, um ihren Wirtschaftsausblick auf 2012 und ihre Vorschläge an Regierung und EU.
Optimismus der Meinungsführer ist gedämpft
Wenn es um den Ausblick auf die nächsten 2 bis 3 Monate geht, überwiegen zwar bei den Meinungsführern die Optimisten, jedoch blicken sie mit etwas mehr Skepsis ins neue Jahr als der Durchschnittsösterreicher. Die doch recht guten Wirtschaftsdaten werden nach Ansicht von 70 Prozent der Meinungsführer in den nächsten Monaten nicht einbrechen, mit einer Aufwärtsentwicklung rechnet aber nur knapp jeder zehnte.

Die Wirtschaftskrise wird, so erwarten vier Fünftel der Meinungsführer, Österreich zwar treffen, aber in abgemilderter Form. Jeder Siebte geht davon aus, dass Österreich eher von der Krise verschont bleibt. Zwar herrscht die Meinung vor, dass die kommende Wirtschaftskrise schwerer zu bewältigen sein wird als jene von 2008, aber nur 4 Prozent glauben, dass Österreich diese Krise nicht bewältigen wird.

Stabilisierung des Euro nach der Krise wahrscheinlich
Was die Dauer der Wirtschaftskrise angeht, rechnen zwei Drittel der österreichischen Meinungsführer mit einem längeren Tief. Dennoch gehen sie davon aus, dass am Ende der Krise ein stabiler Euro stehen wird.

Österreichs Kreditwürdigkeit aus Sicht der Meinungsführer
Mehrheitlich – zu 60 Prozent – herrscht die Meinung vor, dass Österreich wahrscheinlich das AAA-Rating behalten wird. Eine sichere Voraussage, ob Österreich die höchste Bonität als Schuldnerland, das Triple-A-Rating, im Jahr 2012 behalten wird, trauen sich allerdings nur 10 Prozent der Meinungsführer zu: 7 Prozent sind sicher, wir werden das Triple-A-Rating behalten, 3 Prozent sind überzeugt, dass wir es sicher verlieren werden.
Düstere Voraussagen zum Fortschritt der Regierung bei der Reduzierung des Schuldenstandes:
Die bisher getroffenen Maßnahmen der Regierung zur Haushaltskonsolidierung finden nur geteilte Zustimmung. Und: Auch was die Zukunft betrifft, zeigen die Antworten wenig Zuversicht: Vier von fünf Meinungsführern sind überzeugt, dass dieses Vorhaben weniger gut oder gar nicht vorankommen wird.

Die To-do-Liste der Meinungsführer für die Bundesregierung
Fragt man die Meinungsführer nach den Maßnahmen, die Österreichs Regierung zur Konsolidierung des Finanzhaushalts treffen sollten, ergeben sich drei Schwerpunkte der Aussagen: Strukturreformen, ausgabenseitiges Sparen und Einigkeit der Regierung ohne Rücksicht auf die Parteienklientel. Am lautesten ist die Forderung nach Verwaltungsreform, die spontan von fast jedem gestellt wird. Darunter sind auch die Forderungen nach einer Föderalismusreform einzureihen (von der Einsparung von Verwaltungsebenen bis zur Gesetzesharmonisierung, also dem Abrücken von Ländergesetzen). Kaum bei jemandem fehlt die Forderung nach Pensionsreform (vor allem die Abschaffung der Sonderregelungen wird gefordert!), auch Bildungs- und Gesundheitsreform werden häufig gewünscht. Der Defizitabbau sollte durch Sparpakete statt durch Steuerpakete erfolgen, allerdings gibt es eine Reihe spontaner Nennungen, die eine vernünftige Vermögenszuwachsbesteuerung nicht ausschließen. Als Erfolgsvoraussetzung sieht man aber ein einiges, rasches, wenn nötig hartes Durchgreifen der Regierungsparteien ohne Rücksichtnahme auf die jeweils eigene Klientel.
Positive Beurteilung der bisherigen Maßnahmen der EU
Die Maßnahmen der EU zur Bewältigung der Schuldenkrise betrachten die Opinion-Leader wohlwollender als jene der österreichischen Regierung: Zwei Drittel finden die bisherigen Maßnahmen richtig.

To-do-Liste der Meinungsführer an die EU
Unter den Vorschlägen der österreichischen Meinungsführer an die EU finden sich viele, die sich mit der Kontrolle der Finanzmärkte und mit Finanzspekulation beschäftigen. Ebenso viele fordern mehr Kontroll-, Durchgriffs- und Sanktionsmöglichkeiten bei der Konsolidierung der Staatshaushalte der Mitglieder, auch der Ruf nach Hartwährungszonen und Ausschluss von Griechenland wird teilweise laut. Zwar nicht mehrheitlich, aber doch deutlich wird eine europaweite Vereinheitlichung der Steuerpolitik bzw. eine zentrale Wirtschaftsregierung als richtige Maßnahme gesehen. Von der österreichischen Regierung sollte die EU nach Ansicht der Meinungsführer die Einigung auf Maßnahmen zur Schuldenbremse fordern, wobei diese Maßnahmen den Wirtschaftsmotor nicht zum Stottern bringen dürfen.
News_1201_Was_erwarten_Österreichs_Meinungsführer_.pdf [2162 KB]
Dokumentation der Umfrage Z 1864:
n=290 Online-Befragungen mit österreichischen Meinungsführern
Erhebungszeitraum: 19. bis 30. Dez. 2011;
Dokumentation der Umfrage MA642:
n=500, Online Interviews, unter der österreichischen Bevölkerung ab 16 Jahren
Erhebungszeitraum: 27. bis 28. Dezember 2011;