Österreicher und das übrige Europa: Affinitäten, Aversionen, Mentalitätsunterschiede

Die Fußball-EURO 2012 brachte bei vielen Österreichern die positiven und negativen Vorurteile gegenüber einzelnen Nationen ans Licht. market nahm dies zum Anlass zur Frage: Wie sehen die Österreicher sich und andere europäische Nationen im Vergleich? Und: Wie unterschiedlich werden die Einwohner der einzelnen Bundesländer beurteilt?

Wir sind die Nettesten – doch auch andere Nationen haben gute Eigenschaften


Freundlich, fleißig und gesellig – das sind unsere Haupteigenschaften, bei denen uns keine andere Nation das Wasser reichen kann. Aber: Wir schätzen uns auch als die ausländerfeindlichsten von allen Ländern ein! Korruptionsmäßig sehen wir uns eher im Durchschnitt: 38 Prozent sind überzeugt, dass auf die Österreicher diese Eigenschaft besonders zutrifft. Damit belegen wir immerhin Platz 4 auf der Korruptheitsskala hinter Italienern, Türken und den Russen!
Abgesehen vom Heimspiel-Bonus – wir Österreicher beurteilen uns natürlich durchwegs positiver als alle anderen Nationen – finden die Österreicher die meisten guten Eigenschaften an den Schweizern – diese bekommen in vielen Bereichen gute Noten und sind uns recht sympathisch. Allerdings halten wir uns selber für weitaus witziger und toleranter als den westlichen Nachbarn.

 

 

 

Die Deutschen hingegen flößen uns zwar Respekt ein - wir halten sie für erfolgreicher und sportlicher als uns selbst – aber ihr pünktlicher Fleiß und ihr Pflichtbewusstsein wirken ungemütlich.

Patriotismus nimmt im Ranking der Österreich-Eigenschaften nur den 11. Platz ein – bei Franzosen dagegen Platz eins! Die Franzosen sind ansonsten aus Sicht der Österreicher keine besonderen Sympathieträger. Sie gelten zwar als kreativ und modern, aber auch als die unfreundlichsten aller abgefragten Nationen.

 

Die Engländer, ebenfalls Patrioten, haben den Franzosen voraus, dass sie höflicher und traditionsbewusster sind – aber wir werden mit ihnen nicht so recht warm: Es fehlt ihnen an Gemütlichkeit und Optimismus.

 

Die Skandinavier gelten als fleißig und erfolgreich (aber nicht so überspannt fleißig und erfolgreich wie die Deutschen), sie sind höflich und fast so tolerant wie wir selbst, also die tolerantesten von allen (außer uns)!

 

Ins Herz geschlossen haben die Österreicher die Italiener: Gesellig, freundlich, sympathisch sind sie wie wir, aber viel familienfreundlicher, religiöser und – korrupter als wir selber.

 

Das österreichische Bild von den Russen ist ziemlich negativ: Als deren Haupteigenschaft gilt neben der Korruptheit (70 Prozent) die Brutalität (69 Prozent). Nach positiven Eigenschaften der Russen muss man suchen – am ehesten gelten sie noch als gesellig – vielleicht klingt hier noch die Erinnerung an die überlieferten Trinkgelage von Leopold Figl mit den Russen nach.

 

Die Türken werden hauptsächlich als „religiös“ abgestempelt – wobei sich in deren Einschätzung das Religiöse mit dem Patriotischen, Familienorientierten und Korrupten zu einem Synonym für „altmodisch“ zusammenfügt – die Türken gelten als die altmodischste Nation. 

 

 

Der Wiener - das Feindbild der Rest-Österreicher!

 

 

 

 

Nach Ansicht der übrigen Österreicher vertreten die Wiener die dunkle Seite unserer Heimat: Als ihre Haupteigenschaft gilt die Ausländerfeindlichkeit, außerdem sind sie schwer zufrieden zu stellen, also Raunzer, und unfreundlich. 43 Prozent der Österreicher halten die Wiener für korrupt – in dieser Beurteilung liegen die Bewohner der Bundeshauptstadt auf einem ähnlichen Vorurteils-Level wie die Türken.

 

Außerdem werden bei den Wienern eine Reihe wichtiger Eigenschaften vermisst: Traditionsbewusstsein, Familienorientierung und Bescheidenheit werden allen anderen Bewohnern Österreichs mindestens doppelt so häufig zugestanden wie den Wienern!  

Als positives Gegengewicht sind die Wiener vor allem modern – 51 Prozent ordnen ihnen diese Eigenschaft zu, wobei nicht sicher ist, ob „modern“ österreichweit als positive Eigenschaft gilt. Auch „erfolgreich“ zu sein wird den Wienern häufiger zugestanden als allen anderen Österreichern, es ist aber nicht ganz klar, ob und wieviel Neid hier mitschwingt.   

 

Bundesländervergleich: Österreicher zwischen Witz, Gemütlichkeit und Fleiß

Wer die richtig netten Österreicher finden will, muss in die Steiermark fahren: 60 Prozent der Österreicher sind überzeugt, dass die Steirer freundlich sind. Außerdem sind sie nach Ansicht jedes zweiten Österreichers sympathisch. Steirer sieht man als die Österreicher mit dem meisten Witz, der größten Originalität, daneben aber auch traditions- und familienorientiert und dabei gesellig und fleißig.

 

Ihre südlichen Nachbarn, die Kärntner, gelten als patriotischer als die Steirer. Kärntner schätzt man als sympathisch und freundlich ein, doch weniger fleißig als die restlichen Österreicher. In punkto Ausländerfeindlichkeit und Korruptheit liegen sie auf Platz 2 hinter den Wienern, in punkto Toleranz am letzten Platz im Bundesländervergleich.

 

In Vorarlberg ist vor allem der Fleiß daheim und paart sich dort mit Frömmigkeit und Traditionsbewusstsein – damit sind die Vorarlberger den Tirolern ähnlich – allerdings erlebt man die Tiroler als noch traditionsbewusster, frömmer und patriotischer als die Vorarlberger. Tiroler laufen auch allen anderen Bundesländern in punkto Sportlichkeit den Rang ab – dabei sind sie auch freundlich, gesellig und fleißig!  

Die Salzburger sieht man als überdurchschnittlich kultiviertes Völkchen, das seine Traditionen hochhält, freundlich, fleißig und im Österreichvergleich überdurchschnittlich sportlich und erfolgreich ist. Ein sympathischer Mix also, dem es zum „echten Österreicher“ allerdings an Witz und Gemütlichkeit mangelt.

 

Burgenländer sind nach Ansicht der Österreicher nette, gesellige Familienmenschen, gemütlich und bescheiden. Auf der Erfolgsleiter vermutet man sie im Vergleich zu den anderen Bundesländern ganz unten.

 

Ober- und Niederösterreicher werden grosso modo ähnlich bewertet, nämlich als freundliche, sympathische, familienorientierte und erfolgreiche Mitmenschen, die mit einer ordentlichen Portion Kreativität gesegnet sind. Die Oberösterreicher sind zusätzlich noch mit außergewöhnlich viel Pflichtbewusstsein ausgerüstet.

 

 


 

Dokumentation der Umfrage MA653:

Online-Befragung, n= 502 Interviews, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren.

Erhebungszeitraum: 15. bis 16. Mai 2012; Maximale statistische Schwankungsbreite bei n=450: ± 4,46 Prozent

 

 

 

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

Ansprechperson:
Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

Institutsvorstand und Geschäftsführer