market Trends-Magazin

Ölpest

Die Österreicher fühlen sich tief getroffen von den täglich neuen, immer erschreckenderen Fakten und Bildern über die Ölpest im Golf von Mexiko. Sie mutmaßen, dass BP bisher nicht ihr Möglichstes getan hat, das Ausfließen des Öls zu verhindern und vor allem befürchten sie, dass die Ölpest nicht mehr in den Griff zu bekommen ist. Entsprechend verwundert es nicht, dass viele Österreicher zum Boykott gegen BP greifen.
Mehrheitlich plädiert man angesichts der Umweltgefahr dafür, auf Bohrungen in riskanten Gebieten zu verzichten – steckt aber den Kopf in den Sand, was die Folgen des verminderten Ölangebots betrifft.


Fast allen Österreichern macht die Ölpest emotional zu schaffen: Jeder Zweite fühlt sich durch diese Katastrophe sehr betroffen, weitere 37 Prozent fühlen sich „eher schon betroffen“. Selbst die Unter-30-Jährigen, denen im Allgemeinen das Hemd der persönlichen Belange viel näher ist als der Rock der Umweltinteressen, zeigen sich zu nahezu drei Vierteln bekümmert über diese Umweltkatastrophe.

Einig ist man sich im Misstrauen gegenüber BP: 89 Prozent sind überzeugt, BP habe hauptsächlich die eigene Kosten-Nutzen-Rechnung im Auge behalten und daher nicht die höchstmöglichen Anstrengungen unternommen, um das Ausfließen des Öl zu verhindern. Vor allem aber: Kaum jemand glaubt mehr, dass BP diese Katastrophe überhaupt noch in den Griff bekommen kann!


Anders als andere Umweltkatastrophen hätte diese durch höhere Sicherheitsstandards verhindert werden können, ist die Mehrheit der Österreicher überzeugt. Etwas mehr als jeder Dritte vertritt den Standpunkt, bei Rohstoffförderungen in solch extremen Umgebungen seien die Gefahren einfach nicht mehr kalkulierbar.

Die Verbitterung und Ohnmacht der Österreicher angesichts dieser Katastrophe macht sich in Boykott-Bereitschaft gegenüber BP Luft: Jeder dritte Österreicher boykottiert nach eigenen Angaben bereits jetzt die BP Tankstellen, weitere 15 Prozent überlegen einen Boykott. Damit ist die Hälfte aller Österreicher boykottbereit! Nur 28 Prozent – hauptsächlich Männer, geben an, BP nicht zu boykottieren.


Angesichts des augenfälligen Unheils, das Erdölbohrungen in extremen Umgebungen anrichten können, sind nach Meinung von zwei Drittel der Österreicher solche Bohrungen in Zukunft nicht mehr gerechtfertigt.  Vor allem die Frauen machen sich für einen Ausstieg stark.

Was aber, wenn man mangels genügend Öl auf Alternativenergien umsteigen müsste? Dann wird’s eng für die Umwelt: 72 Prozent vermuten, dass die Österreicher vor allem billig tanken wollen und nicht zum Umstieg auf Alternativenergien bereit wären, wenn diese mehr kosten würden. Das Ausmaß des Umweltdramas ist offensichtlich noch immer nicht dramatisch genug, um die Bedeutung eines ökologischen Gleichgewichts für unser Überleben zu erkennen.

 

News 1018 [66 KB]

TB 1018 [58 KB]

Dr. Werner Beutelmeyer

Autor:
Dr. Werner Beutelmeyer

Institutsvorstand und Geschäftsführer