market Trends-Magazin

Die Gesellschaft von Morgen

Das erste Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende ist vorbei; Jahre, die geprägt waren von Umweltkatastrophen, Terroranschlägen, Währungs- und Wirtschaftskrisen. Das hat auch die Menschen verändert und in keinem Jahrzehnt wurde der Wandel innerhalb der Gesellschaft so bewusst wahrgenommen wie in diesem.
market ging der Frage nach, welche persönlichen Werte in der heutigen Zeit für jeden Einzelnen wichtig sind: Wonach orientieren wir uns und wonach streben wir? Dazu gibt auch ein Blick auf die Werte der Zukunft einen interessanten Einblick in die Werterelevanz. 

 

Wertelandschaften sind sehr komplex und vielschichtig. Auch die persönliche Werte-Einschätzung ist nach wie vor sehr von Traditionen geprägt und davon, was gesellschaftlich opportun ist. Daher darf es auf den ersten Blick nicht überraschen, wenn nahezu alle Österreicher sich selbst Eigenschaften wie „höflich und freundlich sein“, „das Leben in die Hand nehmen“ und „ordentlich und gewissenhaft seine Arbeit verrichten“ zuschreiben.
Weitaus spannender und aufschlussreicher wird es jedoch, wenn es um die Einschätzung zukunftsrelevanter Werte geht, wohin sich also unsere Gesellschaft bewegt. Und da zeichnet sich ein klares Bild ab:
 

Die Gesellschaft von morgen muss mobil und risikofreudig sein, sie muss bereit sein für Veränderungen und sie wird auch besonders ehrgeizig sein!  Karriere und Leistung stehen im Vordergrund, gekoppelt an ein Leben, das durch raschen technologischen Fortschritt geprägt ist, für den man offen sein muss!
Die „traditionellen“ Charaktereigenschaften wie Offenheit, Höflichkeit und Bescheidenheit werden in Zukunft weniger gelebt und sie werden eingeholt von Werten mit Schwerpunkt auf persönlicher Freiheit und beruflicher Entfaltung. Der Mensch der Zukunft wird eher ein Einzelkämpfer, der mit sehr viel Leistungs- und Berufsorientierung seine Position in der Gesellschaft festigt! Die Werte-Dimensionen von Ehrlichkeit bzw. Aufrichtigkeit werden nicht verlieren, aber der Weg nach oben wird einsamer, der Wettbewerbsdruck auch unter Freunden wird stärker. Freundschaften verlieren an Tiefe und Bedeutung, der Trend zu zeitlich limitierten Lebensabschnittspartnerschaften erstreckt sich auch auf die Freundschaften. An Stelle echter Freunde tritt die Teilnahme an Netzwerken, die durch die internetbasierten Kommunikationskanäle gefördert werden: echte Freunde nehmen ab, die Anzahl der Bekannten nimmt zu.

Veränderte Lebensziele bzw. Werteorientierung nehmen Einfluss auf die gesamte soziale Wertedimension einer Gesellschaft. Die Veröffentlichung der market-Studie mit dem Thema „Rückkehr zur Normalität“ (23/April/10, nachzulesen auf der market-Homepage) hat sich intensiv mit den sozialen Veränderungen unserer Gesellschaft auseinandergesetzt und die Auswirkungen klar aufgezeigt:
Die Menschen von morgen werden vermehrt mit psychischen Beschwerden wie Burn-out-Syndrom, Depression und Einsamkeit kämpfen; die Flucht in Alkohol und Drogen nimmt zu, vor allem werden die Verwender immer jünger. Lebenslange Partnerschaften wie die Ehe werden weiter abnehmen, gleichzeitig wird durch die steigende Lebenserwartung auch der Wunsch nach anhaltendem attraktiven Äußeren verstärkt. Das höhere Lebensalter bringt gleichzeitig eine Zunahme der Zivilisationskrankheiten, wie Herzleiden, Demenz und Diabetes.  Rascher technologischer Wandel erfordert immer neue Berufe bzw. lebensbegleitendes Lernen, Zeit wird subjektiv betrachtet immer schneller vergehen. Damit einher geht die Sehnsucht nach Entschleunigung - das Bedürfnis, aus der hektischen Arbeitswelt kurzfristig abzutauchen, loszulassen, wird stärker.

 

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Mag. Dagmar Beutelmeyer

Autor:
Mag. Dagmar Beutelmeyer

Institutsvorstand und Geschäftsführerin